Mit seiner
Reformagenda, "In größerer Freiheit" hatte UN-Generalsekretär Kofi
Annan nicht nur eine umfassende Erneuerung der Vereinten Nationen
angestrebt, sondern wollte auch das Völkerrecht modernisieren und
einen neuen Ausgleich zwischen armen und reichen Staaten schaffen.
Doch von seinen ehrgeizigen Plänen ist nach den Verhandlungen der
UN-Mitglieder über die Schlusserklärung des New Yorker
Gipfeltreffens nicht viel übrig geblieben. Im Überblick die
wichtigsten Reformthemen:
Entwicklung: Die Erklärung
von New York bekräftigt die vor fünf Jahren gefassten
"Millenniumsziele", die Armut weltweit bis 2015 zu halbieren.
Allerdings verpflichten sich die reichen Staaten nicht zu konkreten
Maßnahmen. Sie werden dazu aufgerufen, ihre Leistungen für
Entwicklungshilfe schrittweise auf 0,7 Prozent des
Bruttosozialprodukts zu erhöhen. Eine verbindliche Vorgabe ist dies
allerdings nicht. [...]
Nukleare
Proliferation und Abrüstung:
Das Thema kommt in der Gipfelerklärung nicht vor[...]. Die
UN-Mitglieder hatten sich nicht auf einen Ausgleich einigen können.
Der Tenor hätte etwa dem des Atomwaffensperrvertrages entsprochen:
Wer nicht Atommacht ist, sagt zu, keine Atomwaffen zu beschaffen,
die Atommächte verpflichten sich abzurüsten. [...]
Menschenrechtsrat: Die
bisherige Menschenrechtskommission ist in Verruf geraten, weil darin
auch Diktaturen einen Sitz hatten. Die UN-Mitglieder haben daher
beschlossen, einen neuen Menschenrechtsrat zu gründen. [...]
Terrorismus: Wird zwar in
all seinen Formen verurteilt, auf eine genauere Definition konnte
sich die Welt jedoch nicht einigen. Annan und die westlichen Staaten
wollten jeden politisch motivierten Angriff auf Zivilisten als
Terror bezeichnen. Doch die arabischen Staaten lehnten dies ab: In
ihren Augen sind etwa Palästinenser, die gegen Israel kämpfen,
Freiheitskämpfer und keine Terroristen.
Friedenssicherung: Eine
neue Peacebuilding-Kommission der Vereinten Nationen soll Staaten
nach einem militärischen Konflikt konsolidieren helfen. Umstritten
ist aber noch, welchem UN-Gremium die Kommission unterstellt wird:
Dem Sicherheitsrat, in dem vor allem der Westen das Sagen hat, oder
der Generalversammlung, in der die Dritte Welt die Mehrheit der
Stimmen besitzt.
Schutz
gegen Völkermord: Annan
wollte festschreiben lassen, dass die UN Völkermord verhindern
sollen, auch wenn er sich innerhalb der Grenzen eines
Mitgliedstaates ereignet. Der Vorschlag konnte sich aber nicht
durchsetzen. Nun ist nur allgemein davon die Rede, dass die
Mitgliedsstaaten kooperieren sollen, um Genozid zu verhindern.
Sicherheitsrat: Das Schlussdokument
unterstützt allgemein eine Reform des wichtigsten UN-Gremiums. Die
Details sind aber so umstritten, dass sie schon vor Wochen von der
Tagesordnung genommen wurden. Eine Einigung ist nicht in Sicht.
UN-Verwaltungsreform:
Angesichts andauernder Korruptionsvorwürfe wird das Vorhaben Annans
unterstützt, ein Büro für die ethische Kontrolle der UN-Verwaltung
einzusetzen. Annan erhält aber nicht, wie von den USA gewünscht,
größere Befugnisse innerhalb der UN-Bürokratie, etwa in
Personalfragen.